Wir Kreationauten! – Auf der Suche nach einem neuen Anfang

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Wir brechen auf und lassen die alte, marode Zivilisation hinter uns. Wir verlassen die sichere Umgebung und stoßen vor ins Ungewisse. Getrieben von dem Bedürfnis, dem menschlichen Leben eine neue Form zu geben. Zugleich wissen wir, es wird keinen sicheren Hafen geben. Wir bleiben immer in Bewegung, wir experimentieren, verwerfen und sichten – der Ruhepol liegt in uns selbst. Wir Kreationauten!

Die bestehende Zivilisation bedrängt unsere Existenz tagtäglich mit all ihren Formen. Trotz ihrer äußeren Funktionsfähigkeit und inneren Ausdifferenzierung gibt es keinen angemessenen Platz für uns. Einen Platz, den wir ohnehin nicht haben wollen. Es ist jedoch nicht die Suche nach individueller Erfüllung, sondern der Mangel an Gemeinschaft, Sinn und Ordnung, der uns zum Aufbrechen zwingt.

Heute sind wir in dieser Welt Fremde, da wir hinter die Fassade blicken, die uns geprägt und geformt hat. Wir wollen hinein ins echte Leben und in echte Beziehungen, heraus aus einer Umgebung voller Plastik und Reklametafeln, die die Lüge verbreitet, der Mensch fände in materiellem Wohlstand seine letzte Bestimmung. Wir wollen wieder ein Teil der Natur, ein Teil des Kosmos sein. Wir brechen auf und schaffen neue Perspektiven.

Die Überzeugung, dass diese Zivilisation die falsche ist, treibt uns an und gibt uns Orientierung. Wie die neue aussehen soll, können wir noch nicht wissen, doch wir können beginnen, ihr nachzuspüren und gemeinsam den Grundstein zu legen. Das grundsätzliche Fragen und die Suche ist unser Ausgangspunkt, von dem wir lossteuern. Unsere innere Überzeugung, gepaart mit der Sehnsucht nach etwas Anderem dient uns dabei als Kompass, der navigiert und die Richtung vorgibt. Diese Überzeugung ist uns eigen, wie die Gewohnheit zu trinken oder zu schlafen, sie bestimmt unser Denken und Handeln. Immer im Mittelpunkt steht dabei der Wille, unserer Welt eine neue Ordnung und Form zu verleihen, dem menschlichen Leben im Chaos der Zivilisation neue Anknüpfungs- und Orientierungspunkte aufzuzeigen. Wir übernehmen das Steuer. Wir sind die Nauten.

Unsere neue Form muss aber auch mit Inhalt gefüllt werden, und ein unüberlegtes Zurückgreifen auf vergangene und verstaubte Bestände kommt daher nicht in Frage. Selbstverständlich müssen wir diese Bestände neu sichten, zugleich auch aufnehmen und durchdenken, schließlich: Richtiges selektieren, Falsches verwerfen. An manchen Tagen suchen wir im Nebel, anderntags brechen wir Felswände auf um zu sehen, was sich hinter ihnen verbirgt. Wir experimentieren und orientieren uns im Chaos der unbegrenzten Möglichkeiten. Gewiss ist: “Bruchstellen sind Fundstellen”. Wir brechen auf ins Ungewisse, diese Welt muss aus sich selbst heraus überwunden werden; durch Experimente und Kreativität, Gedankenspiele und neue Ansätze. Wir sind die Kreativen.

Der Verlauf der Geschichte ist offen. Es liegt nur an uns, die Chance zu ergreifen. Unsere Vision stets vor Augen, blicken wir beim Gang in die Zukunft nach links und nach rechts ohne stehenzubleiben, denn unsere Frage ist nicht politischen, sondern ontologischen Ursprungs. Die Frage ist uns eigentlich und verleiht uns unsere Identität. Wir können uns auf sie verlassen und uns an ihr orientieren. Sie ist der Ruhepol und der Navigationspunkt zugleich.

Kreativität und Navigation. Wir Kreationauten!

 

1 KOMMENTAR

  1. Ein interessanter Ansatz, der ja etwas an Jüngers “Waldgänger” anschließt. Jedoch bleibt zu fragen, wie können wir diese Suche, die wie mir scheint eine individuelle ist, auch als Kollektiv aufnehmen, oder aus dieser Suche ein neues kollektives Selbstverständnis ableiten? Ist nicht letztlich die Suche der “Kreationauten” dann doch nur die Suche nach “individueller Bestimmung”?

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