Oxyana – Zwischen Sucht und Perspektivlosigkeit

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Oceana im US-Bundesstaat West Virginia ist von außen betrachtet eine typische verschlafene Kleinstadt. Wer hinter die Fassade blicken will, muss sich die preisgekrönte Dokumentation „Oxyana“ von Sean Dunne zu Gemüte führen.

Der Filmemacher nimmt den Zuschauer mit auf eine Reise in die tiefsten Abgründe der amerikanischen Gesellschaft, denn hier regiert kein Gouverneur, sondern das Opiat Oxycodon. Die allgegenwärtige Sucht hat den Ort, der ohnehin von Arbeits- und Perspektivlosigkeit geprägt ist, in seinen Bann gezogen und bestimmt den Alltag wie nichts anderes, sodass Präsident Trump sich im vergangenen Jahr dazu gezwungen sah, den „nationalen Notstand der öffentlichen Gesundheit“ auszurufen.

Dunne zeigt anhand zahlreicher Interviews mit vor allem jungen Heranwachsenden auf, wie leicht man den Substanzen anheimfallen kann und welche Auswirkungen die Sucht auf die soziale Infrastruktur der Stadt haben. Nicht ganz unschuldig an der Misere sind auch die Pharmakonzerne und Ärzte, die die verschreibungspflichtigen Medikamente in West Virginia öfter an den Mann bringen als irgendwo sonst im Land.

Die langsamen Kamerafahrten durch die endlos grünen Hügellandschaften und die leeren, breiten Straßen in den frühen Morgenstunden, untermalt von melancholischen, countrylastigen Streichern, verleihen dem Film die zwischendurch nötigen Verschnaufpausen. Die hier und da faszinierende Natur täuscht jedoch nicht darüber hinweg, dass man es in „Oxyana“ nur mit einem Symptom zu tun hat und die Stadt stellvertretend für eine allumfassende Sinnkrise steht. Die verzweifelten und alleinerziehenden Mütter, die überforderten Polizeibeamten und Gerichte und die süchtigen Kinder sind Menetekel eines verlorenen Lebenswillens einer ganzen Generation.

Hier gibt es die ganze Dokumentation:

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