Gegen die kalkulierte Nützlichkeit der Kunst

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Viel wird in letzter Zeit über die Freiheit der Kunst gesprochen, über die Verengung von Meinungskorridoren und einer sich ins Unermessliche steigernden Hypermoral, die den gesellschaftlichen Diskurs bestimmt und somit auch das, was die Gesellschaft sehen, lesen und hören soll. Diese Analysen und Wasserstandsmeldungen sind nicht neu, es gibt sie seit Jahrzehnten: Die diskursbestimmende linke Hegemonie auf der einen Seite und die ausgegrenzten Konservativen auf der anderen Seite, so die gängige Klage. Man sollte dabei jedoch nicht übersehen: die Kunst bleibt wie sie ist, nämlich frei.

Im Zentrum der abermals aufflammenden Diskussion über die Kunstfreiheit im Allgemeinen und die Frage nach der Politisierung der Kunst im Speziellen steht unfreiwillig wieder einmal der Leipziger Künstler Axel Krause. Nachdem Krause zu der diesjährigen 26. Leipziger Jahresausstellung eingeladen wurde, ist diese nach dem Protest von einigen teilnehmenden Künstlern und skandalfixierten Medien nun abgesagt worden. Dass Krause trotz des politischen Skandals im vergangenen Jahr wieder eingeladen wurde, ist ein gutes Zeichen. Es gibt mehr Zustimmung als man zunächst vermuten würde, auch wenn die Meinungsmultiplikatoren in den Redaktionsstuben im Nachhinein versuchen, das Gegenteil zu suggerieren. Krause selbst lobte jüngst die um „Neutralität bemühte“ Jury und sprach seine „Hochachtung“ aus.

Als ich den Künstler im vergangenen August zu einem Interview traf, lernte ich einen gelassenen und sympathischen Mann kennen, der seinen Standpunkt bezüglich der Kunstfreiheit folgendermaßen skizzierte:

„Ich bin mir nicht sicher, ob die Kunst deshalb unfreier wird – der Künstler wird unfreier. Wir haben in der Kunst das erfreuliche Phänomen, dass man fast uneingeschränkt arbeiten kann.“

Der Konsequenzen bewusst entschied Krause sich dafür, öffentlich Stellung zu beziehen und markierte somit als erster einflussreicher Künstler einen nicht zu unterschätzenden Wendepunkt, ein Novum im öffentlichen Diskurs. Krause, seit Jahrzehnten renommierter Künstler, genoss bei Freunden der bildenden Künste und denen der Neuen Leipziger Schule ein hohes Ansehen. Obgleich in den großen Medien unzutreffend als „AfD-nah“ gebrandmarkt, hat dieser Schritt dem Schaffen des Leipzigers keineswegs geschadet: Im Gegenteil, seine Popularität hat zugenommen, und der Streisand-Effekt entfaltet seine volle Wirkung. Mittlerweile hängt sein Bild „Puppenhaus“ im Bundestag. Darüber hinaus gibt es ein starkes konservatives Milieu, das in der Lage ist, einen Künstler (mit) zu tragen und zu unterstützen. In der Galerie des Manuscriptum-Verlags gibt es einige Reproduktionen seiner Werke zu erwerben.

Eine ganz so „einsame Angelegenheit“ ist die Malerei, wie Krause damals betonte, nun also doch nicht mehr. Viel wurde über den Leipziger berichtet, und auch diese Woche werden in ZEIT, taz, TUMULT oder der Jungen Freiheit wieder Beiträge über ihn und seine Kunst erscheinen. Der Tenor wird mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit zumeist ein negativer sein, doch trotzdem wird jenen, die seine Bilder mit wachen Augen betrachten, feststellen, dass diese gänzlich frei von politischen Positionen sind.

Der Fall Axel Krause bietet keinen Grund zur Sorge, sondern zur Hoffnung: Seine ästhetisch ansprechenden Kunstwerke existierten bereits vor dem Skandal. Seine Kunst war auch lange vor der politischen Selbstverortung eine ernstzunehmende. An diesem Umstand sollten sich auch diejenigen Konservativen orientieren, die sich jetzt über die Skandalisierung und Hyperpolitisierung des Sachverhalts beklagen. Das Schöne wird nicht durch etwaige Politisierung des Schaffenden schön, sondern lebt und wirkt durch sich selbst heraus. Es gilt, die kulturellen Erzeugnisse von der „Logik der Nützlichkeit“ (Terry Eagleton) zu schützen, was auch bedeutet, sie qua ihres Für-sich-selbst-Stehens nicht für seine eigenen politischen Zwecke zu instrumentalisieren.

Gerade wenn man sich an einem positiven, gemeinschafts- und sinnstiftenden Kulturbegriff orientiert, darf die politische Position eben nicht das entscheidende Bewertungskriterium bilden, sondern das Werk an sich. Das gilt sowohl für die Kunst als auch für die Literatur und die Musik. Beispiele gibt es dafür genügend, und verborgenes Potential schlummert vielerorts. In der Literatur sei hier exemplarisch die Sprachgewalt des nur einem kleinen Publikum bekannten Michael Roes erwähnt. Die Arbeiten von jungen Studenten der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig, an der auch Krause studierte, beweisen ebenfalls, dass positive Schaffenskraft und der Wille zum Ausdruck keineswegs verschwunden sind. Dort konnte der Suchende jüngst auf einer Werkschau auch Lebensbejahendes, Romantisches und Mythisch-Religiöses finden.

Das Schöne ist da, wir müssen es nur finden. Es liegt an uns.

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