Die Schädel toter Könige – David Thiérrée

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Ob mir die Arbeit eines Künstlers gefällt oder nicht, erkenne ich sofort. Die Bilder fesseln mich und berühren entweder mein Herz oder eben nicht.

Ersteres ist bei den faszinierenden Werken von David Thiérrée der Fall. Älteren Semestern der Black Metal Szene sind, wenn schon nicht der Name, dann doch seine Arbeiten für die Frühwerke von so bekannten Bands wie BEHEMOTH (Polen) und GORGOROTH (Norwegen) bekannt. Auch für die irischen PRIMORDIAL, SATANIC WARMASTER (Finnland), MORTIIS (Norwegen), Nocturno Culto von DARKTHRONE und unzählige weitere Bands insbesondere im Bereich Black und Pagan Metal war und ist der Franzose tätig.

„Owls, Trolls & Dead King’s Skulls“ präsentiert auf 170 Seiten das Gesamtwerk aus nahezu 30 Jahren Malerei für Metal Bands und die Fantasy-Szene. Neben 200 Abbildungen in Schwarz/Weiß und Vollfarbe findet sich die Geschichte des Künstlers wieder, Er berichtet von seinen harten und langen Anfängen bis zum Leben als „Berufskünstler“. Auch seine Arbeitsweise und Stilentwicklung sind Thema.

Sanctuaire cover art.

Wer Thiérrées Kunst bisher gar nicht oder wirklich nur aus dem Black Metal Underground kannte, wird überrascht sein, daß er auch bei den Machern von Games Workshop (u.a. „Warhammer 40.000“) und Zeichnern von Marvel Comics als einer der ganz Großen gilt. Der Franzose ist Autodidakt. Er hat ein unverkennbares Gespür dafür, das Okkulte und das nordisch Mythologische in seinen Bildern einzufangen. Kann man das erlernen? Zumindest überrascht es nicht bei einem Mann, dessen Sozialisation Ende der 80er/Anfang der 90er in der (Black) Metal Szene stattfand. Man könnte es einfach richtigen „Spirit“ nennen.

Wer sich im Bereich mythologisch geprägter Kunst auskennt, wird bei vielen der Riesen- und Troll-Bildern unweigerlich an das herrliche Schaffen des Schweden John Bauer (1882-1918) erinnert fühlen (vgl. z.B. hier).

KORMORG cover art

Doch welchen Sinn hat es, hier nun zu berichten, daß sich der konzentrierte Betrachter in einzigartigen Motiven wie „Rattenherren“ (2006) oder „Wyrdlander“ (2007) regelrecht verlaufen kann? Das muß man sehen, nicht vorgeschwärmt bekommen!

Mir ist nicht bewußt, daß der Franzose irgendetwas mit politischen Botschaften am Hut hätte. Seine Darstellungen sind offensichtlich frei davon. Zumindest aber hat er keine Berührungsängste zu solch politisch unkorrekten Musikgruppen wie GRAVELAND und deren Projekt LORD WIND. Er wirbt damit in einer Unbekümmertheit, wie es nur außerhalb Deutschlands möglich sein kann. Am Ende des Tages atmet aus dem Gesamtwerk David Thiérrées das „alte Europa“ in all seiner Liebenswürdigkeit. Der Genießer findet sich in den Bildern wieder, weil Trolle, germanische Sagen und Götter, Märchen, Naturwesen, aber auch das Okkulte aus dem Innersten seines generationenalten Erbes sprechen.

Behemoth – Sventevith cover art.

Verantwortlich für das nur auf Englisch erschienene Buch ist der Engländer Dayal Patterson. Der Mittdreißiger schickt sich seit einigen Jahren sehr erfolgreich an, den Chronisten der Black Metal Szene zu geben. Es ist konsequent, mit David Thiérrée einen der Künstler dieser Szene zu porträtieren.

Wie es sich für ein Kunstbuch gehört, überwiegt der bebilderte Teil den Textteil um ein Vielfaches. Das ist gut so. Denn dieses Buch hat es verdient, möglichst viele Kunstfreunde dieser mythologisch-okkulten Themenrichtung zu interessieren, ohne daß sie sich allzu viele olle Kamellen über nie veröffentlichte Demokassetten völlig unbekannter Metalbands antun müssen. Es macht einfach Freude, zu blättern und zu schauen, anstatt zu lesen. Für die richtig wahnsinnigen Fans wurden die Thiérrée-Motive „Solvet“ und „Bergtroll“ auf T-Shirts gedruckt. Dank Internet: Klickt Euch einfach mal durch, ob David Thiérrées Werke für Euch genauso interessant sind, wie für mich!

David Thiérrée (links) and Dayal Patterson (rechts).

Hier geht es zum Buch bei cultneverdies.

David Thiérée:

www.davidthierree.com

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Alle verwendeten Bilder wurden uns vom Künstler selbst zur Verfügung gestellt. Alle Urheber- und Nutzungsrechte liegen bei .

 

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