Lesen

Ich bin ein Hippie. Okay, das war gelogen, aber ich liebe „Fear and Loathing in Las Vegas“. Nicht nur den Film mit Johnny Depp, sondern gerade die Buchvorlage aus dem Jahr 1971, die das Lebensgefühl der „acid“-Generation und der Flower-Power-Bewegung auf einzigartige Weise einfängt. Der Autor Hunter S. Thompson beschreibt in...
Nachdem zur Wendezeit die Literaturkritiker der Bundesrepublik die Schriftsteller der DDR fast nur noch unter dem Kollaborationsaspekt mit dem „Regime“ betrachtet hatten (Michael Stürmer und Ulrich Greiner in der Christa-Wolf-Debatte), geschah es im Jahr 2009, daß in der Wochenzeitung „Zeit“  eine verblüffende Umwertung stattfand: Alexander Cammann konzedierte, daß im...
Wer heutzutage durch die Innenstädte Europas geht, wird nahezu überall einen ähnlichen Baustil erblicken: quaderförmige Klötze mit flachen Dächern, ohne jede Ornamentik, aufs Funktionelle reduziert, meist hässlich. Folgt man dem Philosophen Hans-Dieter Mutschler in seinem Buch „Von der Form zur Formel“, so ist diese Architektur als Ausdruck einer tieferliegenden Einstellung...
Es ist kalt in Feuerland. Am Südzipfel des amerikanischen Kontinents, dort, wo die Elementargewalten dreier Weltmeere aufeinanderprallen, Regen und Hagel wie Eiszapfen vom Himmel fallen und eisige Winde das Atmen erschweren, hat ein Stamm seine Heimat gefunden. Die Kaweskars, die „Menschen“ wie sie sich selbst nennen, haben eine jahrtausendelange...
Lesen ist eine gefährliche Tätigkeit. Nicht nur dass sie nur allein, im intimen Zwiegespräch mit einem unbekannten und doch vertraut erscheinenden Autor erfolgen kann – sie verdirbt auch die Maßstäbe für den Umgang mit anderen Menschen. Die Schriftsteller verwöhnen uns – wenn wir es wollen – Tag für Tag mit...
Tatsächlich wird Bartleby als ein Mensch ohne eigene positive Setzungen gezeigt. Die Stärke und Irritationsfähigkeit bezieht er nur aus der Verneinung, der Negation alles „Normalmenschlichen“, aus der totalen Verweigerung. Er beteiligt sich so gut wie gar nicht an der zwischenmenschlichen Kommunikation, reagiert nur, um einer minimalen Höflichkeit Genüge zu tun...
Wie verhält sich ein aufgeklärter und gebildeter Mensch, wird er mit dem Irrationalen konfrontiert? Auf markante Weise wird dies in Herman Melvilles Erzählung von 1856 „Bartleby The Scrivener. A story of Wall Street“ beschrieben, ja beinahe durchdekliniert. Die Geschichte um den kauzigen Einzelgänger Bartleby, den Melville zeitweise in einer New...
Hier geht es zum ersten Teil. Ein weiteres Argument gegen den Zentralismus ist ein sehr pragmatisches: Die Terrainbildung Deutschlands widerstrebt dem Einheitsstaat. Gerade aufgrund der geographischen Lage und der Verschiedenheit der (deutschen) Charaktere und Landschaften bleibt die Nachahmung des französischen Nationalstaats eben nur eine Nachahmung und nichts historisch Gewachsenes, wie...
Constantin Frantz (1817 -1891) entwickelte im 19. Jahrhundert ein Gegenmodell zum zentralistischen Nationalstaat Otto von Bismarcks. Wer die Werke des Föderalisten und Bismarck-Gegners finden will, muss in den Bibliotheken allerdings etwas genauer hinschauen. Große Beachtung fand Frantz trotz seiner immensen inhaltlichen Vielfalt und Reichweite bis heute nicht. Noch immer...
War der Gebrauch von dem, was man heute Drogen nennt, in vormoderner Zeit einer Klerikerkaste vorbehalten oder war es ein gemeinsames Ritual religiöser Bewandtnis, so transformierte die Säkularisierung den Gebrauch in einen Mißbrauch. Die Droge als Weltflucht – unter der in moderner Interpretation zugleich Daseinsflucht verstanden werden kann – analysiert...