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Der neue Roman "Sorotonin" von Michel Houellebecq zeichnet ein Abbild der spätkapitalistischen Gesellschaft und gibt einen Einblik in die seelische Verfassung unserer Zivilisation. Doch handelt es sich auch um ein Selbstbild Houellebecqs? Gibt es noch einen Ausweg aus der Sinnlosigkeit der Moderne, wie ihn Houellebecq in "Unterwerfung" aufgezeigt hat? Wo...
Der jüngste Roman der Vielschreiberin Juli Zeh beginnt verheißungsvoll: ein gehobener Mittelständler, Mitte dreißig, Großstädter, Vielarbeiter, Ehemann und Vater zweier kleiner Kinder, ist auf typische Weise überfordert. Seit geraumer Zeit wird er anfallartig von einem Dämon heimgesucht, den er „ES“ nennt. Sein Herz stolpert und rast in solchen Episoden und...
Lenin ist bekannt als Protagonist der russischen Oktoberrevolution. Sein Name steht synonym für den revolutionären Versuch, die alte, zaristische und kapitalistische Ordnung zu überwinden und durch eine sozialistische zu ersetzen. Zugleich sticht Lenin als ein Theoretiker hervor, der den Marxismus maßgeblich weiterentwickelte und an die zeitgenössischen Anforderungen sowie insbesondere...
Das Buch „12 Rules for Life“ des kanadischen Psychologieprofessors Jordan Peterson ist in kürzester Zeit zum Weltbestseller geworden und jetzt in deutscher Übersetzung erschienen. Peterson ist besonders durch seine YouTube-Videos zum gefeierten Kämpfer gegen die political correctness geworden. „12 Rules for Life“ hat bei mir ein zwiespältiges Gefühl hinterlassen: einerseits...
Im "Der Mythos des Sisyphos" von Albert Camus stößt man auf den Satz: „Die Welt entgleitet uns, da sie wieder sie selbst wird“. Diese existenzielle Fremdheit, die den Philosophen des Absurden umtrieb, trifft man in sensiblen Augenblicken nicht nur im eigenen Leben wieder, sondern ebenso im globalen Phänomen der...
Der Endpunkt des – wie man als Konservativer wertend sagen muss – slippery slope gegenwärtiger linker Projekte ist eine Utopie: ein Menschentypus, der jeden Ortes verlustig gegangen ist. Das Projekt des „Gender Mainstreaming“ arbeitet daran, den Menschen von seiner Geschlechtlichkeit zu befreien. Geschlechtlichkeit ist immer Leiblichkeit, und der Leib...
Über einen Essay von Terry Eagleton Kultur ist ein höchst ambivalenter Begriff. In seiner Verwendung ruht zumeist ein normativer und ein deskriptiver Kern. Dementsprechend ist es also höchst unklar, worüber jemand spricht, wenn er das Wort Kultur verwendet. Terry Eagleton möchte mit seinem jüngsten Titel „Kultur“ dieses Problem angehen und...
Im Jahr 1958 schrieb der damals 28-jährige Greifswalder Herbert Nachbar (1930 – 1980) den Roman „Die gestohlene Insel“. Ungewöhnlich war der Ort der Handlung: eine Insel irgendwo in der Ostsee, in ziemlich großer Entfernung von einem Festland, das zwar deutschsprachig, aber keineswegs eindeutig die DDR war.  Die von dem...
Über einen Essay von Thomas Bauer Das Buch "Die Vereindeutigung der Welt. Über den Verlust an Mehrdeutigkeit und Vielfalt" von Thomas Bauer, ein kleines Reclam-Bändchen von rund 100 Seiten, war ein Überraschungserfolg. Es liegt bereits in der neunten Auflage vor. Kürzlich hat der Autor für das Buch den Tractatus-Essaypreis erhalten. Der...
„Schöner Übermut des Herbstes“ ist der Titel des 1982 erschienenen Romans von Kurt Nowak. Der Held ist ein Professor mit dem Spezialgebiet deutsche Frühromantik, ein Mittvierziger, der sich in seiner Haut nicht länger wohlfühlt und in Klausur geht. „Alles in meinem Leben war auf meinen Tod aus. Ich war eingesperrt....