Fühlen

„Gewollte und bejahte Härte fängt das Schwerwerden ab, das auf die Überlasteten wartet, und nur bei mißlungener Selbstverhärtung treten die Depressionen offen hervor…Depressiv wird, wer Gewichte trägt, ohne zu wissen wozu. Dann wird das Leben für sich selbst zu schwer, weil es nicht länger auf seiner anonymen Grundhärte aufbauen...
„Kulturpessimist“, so stellte der Aphoristiker Michael Klonovsky einmal ebenso hellsichtig wie missvergnügt fest, „wird geheißen, wer auf dem überfluteten Vorderdeck kein Liedchen trällern mag.“ Kulturpessimist, so ließe sich diese durchaus nicht unberechtigte, vielleicht aber wohl doch einen Schuss zu schwarzgallige Einschätzung ergänzen, darf mitunter auch einfach nur geheißen werden,...
Der Illustrator betritt die Arena der Artisten unter einer Ausgangsbedingung, die im Zeitalter von Originalitätsfuror und Epigonalitätsangst vielfach als schwere Hypothek angesehen wird: Statt aus sich selbst heraus bezieht er seine Inspiration auch und gerade aus den Stoffen der Weltliteratur, aus heiligen wie profanen Schriften, aus Mythos und Märchen. Unter...
Auf die abendfüllende Frage danach, wann die ersten Verfallserscheinungen in der europäischen Kunst sichtbar wurden, gaben die Präraffaeliten eine der ungewöhnlicheren, womöglich aber auch bloß eine der konsequentesten Antworten: Nicht erst Aufklärung oder Industrialisierung, Revolutionsarchitektur oder Maschinenkunst hätten demnach die Saat aller späteren Miseren gepflanzt, sondern bereits das gemeinhin...
Im Alltag, in den Medien und auch im Großteil der Bücher, die der Buchmarkt hervorbringt, leben wir ständig mit einer funktionellen Sprache; Klischees und vorgefertigte Schablonen sind schnell zur Hand. Die Sprache guter Lyrik aber ist von anderer Art. Sie greift aus in Unbekanntes, Ungesagtes und im Grunde vielleicht...
Der Surrealismus gehört zu jenen Erscheinungen in der Malerei, denen man sich von konservativer Warte auch deswegen unbeschwert zuwenden kann, weil sie trotz ihres beargwöhnten Festhaltens am Gegenständlichen mit dem mächtigsten Persilschein ausgestattet sind, den der wankende kulturmarxistische Hegemon kennt: Mit der seinerzeitigen Verfemung durch die Nationalsozialisten. Der Bannstrahl der...
In unregelmäßigen Abständen widmen wir uns bei Anbruch auch der Poesie. Dass auch modernere Lyrik wertvoll und schön sein kann, beweist George Forestier (Pseudonym des deutschen Dichters Karl Emerich Krämer) mit seiner Liebeserklärung an unseren Kontinent. Es folgt ein Auszug aus seinem Gedicht „Mein Lied für Europa“ Das alte Europa kann noch...
Unter Konservativen kann es heute als ungeschriebenes und somit umso bindenderes Gesetz gelten, dass man Mütterchen Russland kulturell näherzustehen habe als Uncle Sam. Churchill nannte Russland „ein Rätsel innerhalb eines Geheimnisses, umgeben von einem Mysterium.“ So reichhaltiges, selbst feindseitig zuerkanntes Verdunklungspotential muss wie Musik von Wetterharfen klingen in den...
Während das Heroische auf der Kino-Leinwand vorerst ein letztes Refugium gefunden zu haben scheint, ist die Zahl der Helden an und vor herkömmlichen Leinwänden merklich im Schwinden begriffen. Kaum mehr als dekorativ sieht man gegenwärtig vielerorts Staffeleien noch Spalier stehen für harmlose Selbstvermarkter, die in mittlerweile täglicher Routine -...
  Der soziologische Nenner, der hinter Jahrtausenden schlief, heißt: ein paar große Männer und die litten tief. Heißt: ein paar schweigende Stunden in Sils-Maria-Wind, Erfüllung ist schwer von Wunden, wenn es Erfüllungen sind. Heißt: ein paar sterbende Krieger gequält und schattenblaß, sie heute und morgen der Sieger -: warum erschufst du das? Heißt: Schlangen schlagen die Hauer das Gift, den Biß, den Zahn, die...