Fühlen

Eine Serie zur Lebenskunst In dieser Artikelserie sollen Gedanken zur Lebenskunst präsentiert werden, die nicht von einer bestimmten Weltanschauung, Religion oder Konfession ausgehen. Der Schreibende ist kein Weiser vom Berge, sondern ein Zweifelnder, Suchender und manchmal ein Finder, der die Gedanken großer Geister zur Kenntnis genommen hat und...
Der George-Kreis begegnet uns heute zumeist als blasses, historisches Objekt, das seine lyrische Strahlkraft kaum noch entfalten kann. Umso interessanter ist es, einen Autor zu Wort bitten zu dürfen, der persönlich eine große Leidenschaft für Stefan George hegt und darüber hinaus auch biographisch mit dem Kreis verbunden ist. In...
Im Widmungsgedicht an Hugo von Hofmannsthal aus dem 'Jahr der Seele' wagt Stefan George die selbstbewusste Vorhersage, dass dem österreichischen Gefährten künftig wohl "nie wieder strofen so im ohr" mehr donnern würden wie die seinen. Tatsächlich scheinen es nicht wenige Verse aus Georges Feder darauf anzulegen, als Naturgewalten - schroff...
In seiner - je nach Zählung - achten oder aber siebenten Gedichtsammlung, dem 'Siebenten Ring' von 1907, überlässt Stefan George noch weit weniger dem Zufall als sonst und ohnehin schon: Der Band besteht aus sieben Abschnitten, in denen Werke gruppiert sind, deren Anzahl jeweils ein Vielfaches von Sieben beträgt. Werden...
Wenn es um die räumlichen Grenzen seiner empfundenen Heimat ging, zeigte sich Stefan George zeitlebens weitherzig: Der Dichter fühlte sich – in Abgrenzung zum protestantisch und militaristisch durchseuchten Preußen – früh schon nahezu dem gesamten katholisch geprägten südwestdeutschen Kulturraum zugehörig, von Speyer über Bamberg bis nach München. Heimat im engsten...
Was den Sängern Gershwins „Summertime“ und den Malern ihr Arkadien, das ist den Lyrikern wohl am ehesten die ‚Blaue Stunde‘ der Dämmerung nach dem Sonnenuntergang bis zum Eintritt der vollkommenen nächtlichen Dunkelheit. Weder Ingeborg Bachmann noch Gottfried Benn kamen in ihren Werken an diesem Phänomen vorbei; und auch Stefan...
Nach Stefan Georges zumindest in seiner Außenwirkung bedeutendstem Gedicht muss man im kommerziell erfolgreichsten Band des Symbolisten nicht mühsam suchen: Mit seiner spätherbstlichen Vision eines totgesagten Parks, der trotz dieser üblen Nachrede dem andächtigen Betrachter rechtzeitig vor Wintereinbruch noch innige Naturerfahrungen beschert, eröffnet der Dichter 1897 sein ‚Jahr der Seele‘...
Die Spendung des Dichters, belehrt uns Ernst Jünger, sei stärker als die gesamte Leistung der Wissenschaften: Die Welt könne ohne Wissenschaft leben, doch ohne Dichtung nie. Dieser Umstand ließe die „normalen Leute“, so Jüngers langjähriger Brieffreund Rolf Schilling weiter, wie Schuldner des Dichters dastehen, die sich freilich vielfach als...
Nomina sunt omina. Inwiefern stecken womöglich bereits unsere Namen die Bahnen ab, die wir anschließend willenlos auszuschreiten haben? Wer beispielsweise als Illobrand von Ludwiger zur Welt kommt, dürfte im späteren Erwerbsleben weder als Postbote noch als Pizzabäcker ernst genommen werden: Ihm stehen, falls er sich nicht gerade zum zauseligen...
Zur Agonie des Eros Nach der Diagnose des Philosophen und Kulturkritikers Byung-Chul Han hat unsere Kultur eine „Agonie des Eros“ erzeugt, ein langsames, qualvolles Dahinsiechen der Erotik. Es klingt widersinnig, dies von einer Kultur zu behaupten, in der Sexualität allgegenwärtig ist, in der nahezu alle Tabus gefallen sind und man...