West-Berlin zwischen Punk und dem großen Nichts

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Das Berlin der 1980er Jahre ist schmutzig, kaputt und voll im Aufbrauch. Auch wenn noch ein großer Teil der Stadt aus Ruinen besteht, von den Großmächten besetzt ist und quasi isoliert in der DDR existiert, passiert musikalisch und subkulturell unheimlich viel. Eine ganze Jugend erhebt sich – doch wogegen eigentlich?

Mark Reeder, der junge Musiknerd aus Manchester, nimmt uns in dem Film B-Movie: Lust & Sound in Westberlin (2015) mit auf eine authentische Reise in eine Welt voller Musik, Drogen und Kreativität. In einer sympathisch-naiven Erzählform führt uns der junge Reeder, der Ende der 70er Jahre von Manchester nach Berlin gekommen ist, durch die Musik- und Hausbesetzerszene. Dabei ist der Film so energiegeladen, wie es wohl auch das skizzierte Berlin gewesen sein muss.

Reeder ist mittendrin in der Szene und verfolgt am eigenen Leib mit, wie sich die Stadt verändert und subkulturell grundlegend umgekrempelt wird. Vor allem sein großes Interesse an der musikalischen Progression und die Suche nach persönlichen Abenteuern in dem neu aufgekommenen Lifestyle treiben ihn durch die Stadt.

Hervorragend ist der essayistisch gehaltene Film gerade deshalb, weil er Unmengen an bisher unbekanntem Bildmaterial aus etlichen Archiven zusammenfügt. Man hat wirklich das Gefühl, dabei zu sein und den Protagonisten direkt ins Gesicht schauen zu können.

Wir treffen frisch gegründeten Bands wie Die Ärzte, Die Toten Hosen oder auch den Briten Nick Cave. Sie alle zieht es nach West-Berlin, sie alle wollen die Hochphase des Punk prägen und die alte Welt in Trümmern sehen. Dabei lag doch die alte Welt direkt vor ihren Augen noch immer in Trümmern.

Wenn man etwas Abstand von der filmographischen, authentischen Darstellung nimmt und den Protagonisten dieser Jugend folgt und sich fragt, wofür sie eigentlich stehen und gegen wen sich ihr sowohl musikalischer als auch politischer Protest eigentlich richtet, wird man mit dem großen Nichts in ihren Augen konfrontiert. Hinter der Fassade des Protests gegen die Gesellschaft verbirgt sich im Endeffekt nur ein narzisstischer Hedonismus, der nicht viel mehr im Sinn hat als die eigene Erfahrungs- und Gefühlssteigerung.

So oder so, B-Movie ist ein wirklich großartiger Film. Reinschauen lohnt sich in jedem Fall und für alle, die Amazon Prime besitzen, gibt es den Film sogar konstenlos. Wer sich noch etwas mehr für die Musik interessiert, findet hier eine zusammengestellte Playlist.

 

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