Den Kampf um die Kultur neu eröffnen

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Die Welt befindet sich im Wandel. Dieser Wandel ist mehr als nur ein Epochenwechsel, er ist ein Quantensprung. Ein Quantensprung, der die Lebenswelten der Menschen grundlegend verändert. Die Fragen, die durch diese Veränderung auf uns zukommen, unterscheiden sich grundlegend von unseren bisherigen historischen Erfahrungen und erfordern somit zwangs­läufig auch neue Antworten.

Die Technisierung und Digitalisierung unseres All­tags konfrontiert uns in diesem globalen Prozess un­ablässig mit neuen Entwicklungen und technischen Möglichkeiten. Unsere gewohnten und hergebrachten Lebensentwürfe werden hierdurch in Frage gestellt und letztlich unwiderruflich verändert. Diese Verän­derung wirkt sich ebenso auf unser Bewusstsein aus, denn die Verbreitung einer weltumspannenden Tech­nik- und Konsumkultur löst langsam aber sicher unser traditionelles, europäisches Verständnis von Kultur, Tradition, Brauchtum und Herkunft ab.

Trotz dieser Entwicklung ist der Mensch jedoch wei­terhin auf sein soziales Umfeld, seine Beziehung zur Natur und seiner Kultur angewiesen. Denn neben der sich rasch ausbreitenden globalen Einheitskultur ist der Mensch nach wie vor in seine nähere Umgebung verwurzelt. Ein waches und intaktes kulturelles Be­wusstsein ist in diesen Zeiten unabdingbar, denn es bietet Halt und Orientierung in einer sich unablässig verändernden Welt. Diesen Halt jedoch können wir nicht in einem verstaubten, antiquierten und konser­vierten Verständnis unserer Kultur finden.

Wir brauchen Erneuerung. Deshalb müssen wir den Kampf um die Kultur neu eröffnen.

Für diese Erneuerung müssen Antworten auf die An­forderungen des 21. Jahrhunderts finden und unser Weltverständnis in Teilen an die zeitgenössischen Ge­gebenheiten anpassen. Zunächst gilt es aber, unsere spezi­fische kulturelle Prägung zurück in das Bewusstsein der Menschen zu rücken, um die unverwechselbare Kultur und die Besonderheit unserer europäischen Identität wiederzubeleben.

Wir können die Heraus­forderungen der Moderne nur verstehen, wenn wir innehalten, um darüber nachzudenken, wer wir sind, woher wir kommen und was wir in Zukunft sein wol­len. Die Suche nach dem ursprünglichen Herkommen und den Besonderheiten unserer Kultur steht dabei im Mittelpunkt. Wir wollen unseren europäischen, eigentlichen Blick auf die Welt verstehen und ihn für die Herausforderungen der Zukunft fruchtbar machen.

Unsere Bemühungen knüpfen an den alten Konflikt über ein Kulturverständnis zwischen einer Moderne, die alle Bindungen auflöst und die Landschaft des Geistes zerstört, und eines an der antiken Klassizität orientierten Werteverständnisses an. Klar ist aber auch: Ein nahtloses Anknüpfen an Tradiertes ist in Anbetracht der Lebenswelten des 21. Jahrhunderts nicht mehr möglich.

Wir können uns an den alten Idealen orientieren und auf sie zurückkommen, aber wir müssen sie mit einem neuen Leben füllen. Dafür braucht es eine kulturelle Erregung, die zu einer formenden Umgestaltung der Wahrnehmung des Menschen von einer Abstraktion zum Unmittelbaren führt. Wir suchen nach dem Ursprung des Lebens und des Geistes, um einen Mythos wiederzubeleben, der in der Lage ist, ein organisches System von zusammenhängenden Merkmalen zu schaffen, das zugleich die Grundlage eines neuen gemeinschaftlichen Selbstverständnisses sein kann.

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